Kernenergie an der Weichsel?

Während in Deutschland aus Sicherheitsgründen nach der Fukushima-Katastrophe der Atomausstieg beschlossen wurde, geht die polnische Regierung den umgekehrten Weg. Noch 2018 kam Polen mit seinen Atomplänen nicht voran. Das NDR teilte in einem Artikel mit, dass Polen frühestens 2040 – also in mehr als 20 Jahren – erstmals Strom aus Kernenergie produzieren will. Nun geht das Energieministerium davon aus, dass in Polen bis 2043 zwei Kernkraftwerke entstehen werden. Krzysztof Tchórzewski, polnischer Energieminister, teilte bereits im Januar, dass Polen ohne Kernenergie seine Klimaziele verfehlen wird. 2018 hieß es noch die Standort-Frage sei noch nicht geklärt. Es sollen zwei oder drei Atomkraftwerke entstehen. Sie würden in der Wojewodschaft Pommern liegen.

Die Pläne wurden jedoch überarbeitet und nun sollen zwei Kernkraftwerke gebaut werden – eines im Norden und eines in Zentralpolen. Józef Sobolewski, der Direktor des Departments für Kernenergie im polnischen Energieministerium, teilte mit, dass Belchatów – eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Łódź südlich von Łódź – als potenzialer Standort in Betracht gezogen wird. Der Ort ist für seine Braunkohlevorkommen bekannt. Das Kraftwerk Bełchatów ist mit 4.320 MW Leistung das größte europäische Braunkohlekraftwerk.

Den Traum vom polnischen Atom träumen Wissenschaftler schon seit Jahrzenten. Bereits 1972 hat die polnische Regierung mit dem Bau des ersten Kraftwerkes in Żarnowiec, nordwestlich von Danzig begonnen. Wegen Protesten wurde das Projekt jedoch in den 1990er-Jahren aufgegeben. Die beiden Reaktoren wurden ins Ausland verkauft: nach Ungarn und Finnland. Nun hat sich in Polen der Wind gedreht. Polen erhofft sich von dem Bau der Atomkraftwerke mehr Sicherheit und Unabhängigkeit in der Energieversorgung, was angesichts von Nordstream 2 dringend gebraucht wird. Nach Ansicht vieler polnischer Experten untergräbt der umstrittenen Pipeline die Energiesicherheit Polens. Mehr dazu können Sie in unseren früheren Artikeln lesen.

Quellen:

ndr.de, energetyka.wnp.pl, wikipedia.org